Seit seiner Eröffnung im März 2010 ist das neue Theater Gütersloh ein herausragender Ort der Kunst, der Kreativität, der gesellschaftlichen Begegnung in Ostwestfalen und ein Raum für kulturell-ästhetische Erlebnisse. Architektonisch gesehen ist das neue Theater an der Barkeystraße eines der modernsten, wirtschaftlichsten und erstaunlichsten Beispiele für ein modernes und zukunftweisendes Gebäude, das Theater und Veranstaltungsort für unterschiedlichste Formate gleichermaßen ist.
Auf beeindruckende Weise ist dem Hamburger Architekten Professor Jörg Friedrich (pfp Architekten Hamburg) gelungen, durch die vertikale Schichtung der Funktionsbereiche eine – bisher in der Theaterarchitektur – einzigartige Raumlösung neu zu erfinden. Klare Gestaltungslinien eröffnen überraschende Perspektiven für den Besucher. Der Dialog des vornehmlich in weiß erstrahlenden Hauses mit schwarzen Akzenten inszeniert seine Besucher und lenkt die Aufmerksamkeit auf das Geschehen selbst. Die schlichte Eleganz des kubusähnlichen Theatergebäudes und sein gelungenes, miteinander korrespondierendes aber auch unabhängig voneinander nutzbares Raumangebot eröffnen unterschiedlichste Nutzungsmöglichkeiten. Der Theatersaal (bis zu 530 Plätze), und die Studiobühne (mit bis zu 180 Plätzen) als geschlossene Veranstaltungsräume erfahren eine kreativ gestaltbare Ergänzung durch die Freiflächen der Foyers und der eindrucksvollen Wendeltreppe, die selbst auch zu einem inszenierten Bestandteil aufwändiger Präsentationen, Produktionen und Empfänge werden kann. Dem klassischen Theaterbesucher bietet diese offene Raumästhetik einen angenehmen Rahmen für anregende Pausengespräche und –genüsse.
In Kombination mit der angrenzenden Stadthalle findet sich im Herzen Güterslohs ein neues, modernsten technischen Anforderungen entsprechendes Veranstaltungszentrum, das unter dem Label Kultur Räume Gütersloh zu einem der attraktivsten und wandlungsfähigsten Veranstaltungszentren der Region werden dürfte.
Geschichte
Im Juni 2006 beschließt der Rat der Stadt Gütersloh mit großer Mehrheit, ein neues Theater zu bauen. Dieser Entscheidung gehen viele Jahre teilweise kontroverser Diskussionen über die Notwendigkeit, ein Architektenwettbewerb und ein Bürgerentscheid im Jahr 2003 voraus, der das Projekt zwei Jahre lang zum Stillstand bringt. In dieser Zeit muss das bisherige Theater - ein Nachkriegsprovisorium, das am Ende über 50 Jahre alt wird - aus brandschutztechnischen Gründen geschlossen werden. Fortan wird in der Stadthalle gespielt – für ein breites Theaterpublikum aus Gütersloh und Umgebung, das hohe Programmstandards gewohnt ist – ein unzureichender Ersatz: Die Zuschauer- und Abonnentenzahlen gehen deutlich zurück. Darauf verweist auch ein rühriger Theaterförderverein, der sich intensiv für den Neubau einsetzt. Zusagen für eine finanzielle Unterstützung von insgesamt fünf Mio. Euro erhält die Stadt zudem von den beiden großen Unternehmen vor Ort – Miele und Bertelsmann.
Am 29. Mai 2008 erfolgt der erste Spatenstich für das neue Theater, am 11. Oktober 2008 feiern über 1000 Menschen die Grundsteinlegung. Den Entwurf liefert Prof. Jörg Friedrich (pfp-architekten hamburg-genova), der unter anderem auch die neue Oper in Erfurt baute.
„Neues erleben“
Das Theater Gütersloh präsentiert sich nach außen als Kubus, aus dem der 26 Meter hohe Bühnenturm nur unwesentlich herausragt. Die klare und charakteristische Kubus-Form findet sich auch im Corporate Design wieder, das den Slogan „Neues erleben“ transportiert. Das gilt ebenso für das Haus selbst wie für sein Programm. Das Theater Gütersloh ist seit je her ein „bespieltes“ Haus ohne eigenes Ensemble, das nun hervorragende nationale und internationale Produktionen des Sprech- und Musiktheaters in Gütersloh präsentieren kann.
Zur Südseite beeindruckt das neue Theater durch eine ca. 1.000 Quadratmeter große Glasfassade. Das Theaterinnere ist offen gestaltet. Sowohl Wände als auch Böden und Decken sind in weiß gehalten. Zwischen der 250 Quadratmeter großen Hauptbühne und dem letzten Sitzplatz sind nur etwa 25 Meter Abstand, die den Zuschauern eine außergewöhnliche Nähe zur Bühne bieten.
Architektonisch ist hier erstmals in Europa die Idee des „vertikalen“ Theaters verwirklicht: Das Haus strebt in die Höhe. Ganz oben befindet sich die 400 Quadratmeter große Skylobby, die Besuchern nicht nur einen einmaligen Blick über die Stadt bietet, sondern auch eine 16 Meter lange Theke und einer Cocktailbar mit etwa 120 Sitzplätzen, die auch außerhalb der Theatervorstellungen ein Treffpunkt ist, denn sie ist, wie das gesamte Gebäude für die unterschiedlichsten Anlässe und Veranstaltungen nutzbar und auch außerhalb der Theaterveranstaltungen geöffnet.
Das Theater in Zahlen
Das Gebäude
Reine Nutzfläche: 5.250 m²
Abmessungen: 44,40 m (Südseite) x 47 m
Südfassade: ca. 1 000 m² Glasfläche
Höhe Gebäude: ca. 24 m
Höhe Bühnenturm: ca. 26 m
Die Bühne
Hauptbühne: 250 m²
Hinterbühne: 200 m²
2 Seitenbühnen: 170 m²
Hauptbühne mit Hinter- und Seitenbühnen: 620 m²
Probe-/Studiobühne: 198 m²
Bühnenportal: 12 x 6 m
Orchestergraben: 80 m²
Bühnen- und Saalzüge: 41
Der Theatersaal
Theatersaal: 245 m²
Theatersaal/Rang: 133 m²
Sitzplätze: max. 520 (514+6 Rollstuhlplätze), davon 156 im Rang
Abstand der Bühnenkante bis zum Rang: max. 24,6 m
Finanzierung
Ca. 21,75 Millionen Euro kostet das neue Theater. Mit 5 Millionen unterstützen die beiden größten Gütersloher Unternehmen Miele und Bertelsmann das Projekt. Auch der Theaterförderverein mit über 400 Mitgliedern wirbt eine knappe Million ein. Ein Teil des Geldes stammt aus dem Verkauf von Theaterstühlen, die für 500 Euro pro Stück erworben werden konnten. Im Kreis Gütersloh übernimmt jede der 14 Kommunen eine Stuhlpatenschaft zu je 500 Euro, hinzu kommt ein Stuhl für den Kreis Gütersloh selbst.
Und jetzt finden Sie das Theater auch in baukunst-nrw:
Besuchen Sie die Website der Architektenkammer NRW