Aus einem prominent besetzten Architektenwettbewerb für einen Theaterneubau im Jahr 1993/1994 geht der Hamburger Architekt Prof. Jörg Friedrich als Sieger hervor. Die Pläne für ein neues Theater werden aber anschließend aus Kostengründen vom Rat der Stadt Gütersloh zunächst nicht weiter verfolgt. Ende der neunziger Jahre und vor dem Hintergrund eines immer schlechteren Zustands des alten Theaters, der Paul-Thöne-Halle, kommt das Thema wieder auf die Tagesordnung. Im September 2001 bekommt Prof. Friedrich schließlich den Zuschlag für die Theaterplanung mit der Auflage, seinen preisgekrönten Entwurf aus einem Wettbewerb des Jahres 1994 unter Kostengesichtspunkten zu überarbeiten. Daraufhin gibt der Verein „Bürger für Gütersloh“ (BfGT) ein halbes Jahr später, im Mai 2002,bekannt, dass er ein Bürgerbegehren gegen den geplanten Theaterneubau durchführen wird. Mit einem Antrag im Kulturausschuss versucht die BfGT das Neubauprojekt zu stoppen. Der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt. Im Rahmen einer öffentlichen Kulturausschuss-Sitzung im November 2002 präsentiert Herr Prof. Friedrich die überarbeiteten Pläne für das neue Theater - ein Entwurf, der Zweckmäßigkeit und klare architektonische Form verbindet.

Anfang 2003 muss das bisherige Theater - ein Nachkriegsprovisorium, am Ende über 50 Jahre alt - aus brandschutztechnischen Gründen geschlossen werden. Fortan wird in der Stadthalle gespielt, für ein breites Theaterpublikum aus Gütersloh und Umgebung, das hohe Programmstandards gewohnt ist, ein unzureichender Ersatz: Die Zuschauer- und Abonnentenzahlen gehen deutlich zurück. Darauf verweist auch ein im Jahr 2000 gegründeter  Theaterförderverein mit über 400 Mitgliedern, der sich intensiv für den Neubau einsetzt. Zusagen für eine finanzielle Unterstützung erhält die Stadt zudem von zwei großen Unternehmen vor Ort – Miele und Bertelsmann.

Beim nun folgenden Bürgerentscheid zur Frage "Soll die Stadt Gütersloh trotz Finanzkrise ein neues Theater bauen" stimmen 18.462 Bürger mit "Nein", 5.880 mit "Ja". Das Quorum von 20 Prozent der Wahlberechtigten ist erreicht, der Bürgerentscheid erfolgreich im Sinne der Antragsteller. Die Wahlbeteiligung liegt bei knapp 33 Prozent.

Entsprechend gesetzlicher Vorgaben muss danach das Thema „Theaterneubau“ in der Rats- und Ausschussarbeit zwei Jahre ruhen. Die Idee eines neuen Theaters in Gütersloh bleibt jedoch in vielen Köpfen präsent. So gibt  die Stadt  Ende 2005 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, in der verschiedene Alternativen für einen kostengünstigeren Theaterbau geprüft werden, darunter auch den Umbau des "alten Hauses". Es erweist sich, dass dieser nur wenig kostengünstiger wäre als ein Neubau, die Voraussetzungen für Technik und Bühnengestaltung etc. wären allerdings wesentlich komplizierter. Die Großsponsoren Miele und Bertelsmann erklären, mit 5 Mio. Euro den Neubau zu unterstützen. Der Theaterförderverein wirbt über eine knappe Millionen Euro von weiteren Fördererinnen und Fördern ein. Ein Teil des Geldes stammt aus dem Verkauf von Theaterstühlen im neuen Haus, die für 500 Euro pro Stück erworben werden konnten.

Der Rat der Stadt Gütersloh beschließt schließlich  im Juni 2006 mit großer Mehrheit den Neubau. Architekt Prof. Friedrich, der inzwischen die neue Oper in Erfurt erfolgreich realisiert hat, überarbeitete  seinen Entwurf nochmals und verpflichtete sich, die vom Rat festgesetzte Kosten-Obergrenze von 21,75 Mio. € zu beachten.

Im Dezember 2007 werden das alte Theater und die daneben liegende Parkpalette abgerissen. Am 29. Mai 2008 erfolgt der erste Spatenstich für das neue Theater, am 11. Oktober 2008 feiern über 1.000 Menschen die Grundsteinlegung.
Am Samstag, 13. März 2010, eröffnet das Gütersloher Theater mit einem Festakt. Bürgermeisterin Maria Unger, NRW-Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers sowie Architekt Prof. Jörg Friedrich sprechen Grußworte, die Festrede hält Friedrich Schirmer, Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Für einen ebenso außergewöhnlichen, wie fröhlichen musikalischen Rahmen sorgt das „vienna vegetable orchestra“. Das Deutsche Schauspielhaus Hamburg ist es auch, das das Premierenstück aufführt. Die Wahl fiel dabei auf das Singspiel „Zigeunerjunge“ des Komponisten, Autors und Regisseurs Erik Gedeon. Am Sonntag, 14. März 2010,  wird das Haus im Rahmen eines "Theatertages" den Gütersloherinnen und Güterslohern vorgestellt. Die erste Kurzspielzeit umfasst ca.70 Vorstellungen und fast alle sind ausverkauft. Der „Run“ auf die Karten und Aboreihen hat seither nicht nachgelassen, aber auch viele Gütersloher Schulen, Theatergruppen, Orchester, Institutionen nutzen das Theater, sein lichtdurchflutetes Foyer und die Skylobby mit spektakulären Ausblicken über die Stadt für ihre Veranstaltungen. Das Ergebnis: ein Haus für Kultur und Veranstaltungen aller Art.

„Neues erleben“

Das Theater Gütersloh präsentiert sich nach außen als Kubus, aus dem der 26 Meter hohe integrierte Bühnenturm nur unwesentlich herausragt. Die klare und charakteristische Kubus-Form findet sich auch im Corporate Design wieder, das den Slogan „Neues erleben“ transportiert. Das gilt ebenso für das Haus selbst wie für sein Programm. Das Theater Gütersloh ist ein „bespieltes“ Haus ohne eigenes Ensemble, das nun hervorragende nationale und internationale Produktionen des Sprech- und Musiktheaters in Gütersloh präsentieren kann.

Zur Südseite beeindruckt das neue Theater durch eine ca. 1.000 Quadratmeter große Glasfläche. Das Theaterinnere ist offen und transparent gestaltet. Sowohl Wände als auch Böden und Decken sind in weiß gehalten. Zwischen der 250 Quadratmeter großen Hauptbühne und dem letzten Sitzplatz sind nur etwa 25 Meter Abstand, die den Zuschauern eine außergewöhnliche Nähe zur Bühne bieten.

Architektonisch ist hier erstmals in Europa die Idee des sog. „vertikalen“  Theaters“ verwirklicht: Das Haus strebt in die Höhe. Ganz oben befindet sich die 400 Quadratmeter große Skylobby, die Besuchern nicht nur einen einmaligen Blick über die Stadt bietet, sondern auch eine 16 Meter langen Buffettheke und eine Cocktailbar mit etwa 120 Sitzplätzen, die auch außerhalb der Theatervorstellungen gastronomische Angebote macht. Wie das gesamte Gebäude ist sie für die unterschiedlichsten Anlässe und Veranstaltungen, von der Familienfeier bis zur Produktpräsentation,  nutzbar.

Das Theater in Zahlen

Das Gebäude

Reine Nutzfläche: 5.250 m²
Abmessungen: 44,40 m (Südseite) x 47 m
Südfassade: ca. 1 000 m² Glasfläche
Höhe Gebäude: ca. 24 m
Höhe Bühnenturm: ca. 26 m

Die Bühne

Hauptbühne: 250 m²
Hinterbühne: 200 m²
2 Seitenbühnen: 170 m²
Hauptbühne mit Hinter- und Seitenbühnen: 620 m²
Probe-/Studiobühne: 198 m²
Bühnenportal: 12 x 6 m
Orchestergraben: 80 m²
Bühnen- und Saalzüge: 41

Der Theatersaal

Theatersaal: 245 m²
Theatersaal/Rang: 133 m²
Sitzplätze: max. 520 (514+6 Rollstuhlplätze), davon 156 im Rang
Abstand der Bühnenkante bis zum Rang: max. 24,6 m