Wunderkammer

Betrachtungen über das Staunen

figuren theater tübingen

Ausstattung und Spiel: Alice Therese Gottschalk, Raphael Mürle und Frank Soehnle, Musik: „Wunderkammer“ von Michael Wollny und Tamar Halperin, Neukompositionen: Bradley Kemp, Choreographie: Lisa Thomas, Kostüme: Evelyne Meersschaut

Die Idee der Wunderkammer, eines frühmusealen Sammlungskonzeptes, das sich an Raritäten und Kuriositäten orientierte, bietet den Rahmen für diesen Theaterabend zwischen Bildender und Darstellender Kunst. Mit den Figurenspielern Alice Therese Gottschalk, Raphael Mürle und Frank Soehnle haben sich drei Schüler des weltbekannten Marionettenvirtuosen Albrecht Rosers zum Trio zusammengeschlossen.

Die Wunderkammer-Sammlungen bezweckten, den universalen Zusammenhang aller Dinge darzustellen, mit dem Ziel, eine Weltanschauung zu vermitteln, in der Geschichte, Kunst, Natur und Wissenschaft zu einer Einheit verschmolzen. Im Gegensatz zur „Scholastik“ des Hoch- und  Spätmittelalters, die alle Wissensgebiete von einem abstrakten Standpunkt aus erfasst hatte, bedeutete die Wunderkammer Erkenntnis aus vielfältiger sinnlicher Betrachtung. In diesem Sinne ist das Medium Marionette dem Zuschauer ebenfalls eine Wunderkammer. Hier gibt es Platz für sinnliches Erfahren von Schwerkraft und Magnetismus. Simple Mechanik demonstriert ungeheuerliche Mystik. Die Freiheit von Bewegung wird erfahrbar im Zusammenspiel von Physik und Grazie. Das Wunderbare und das Banale, Technik und Lyrik existieren im Gleichgewicht und ermöglichen eine neue Sicht auf die Welt und die Einheit der Dinge.

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