Forum Lied - ABGESAGT

Konzert 3

Bald gras´ ich am Neckar, bald gras´ich am Rhein

Lieder von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Johannes Brahms und Gustav Mahler

Svenja Rissiek (Mezzosopran), Hyonwoo Jo (Tenor), Peter Kreutz (Klavier)

Forum Lied kann in dieser von Absagen geprägten Zeit sehr flexibel reagieren durch den Kontakt zu hochbegabten Sängerinnen und Sängern, die an der Hochschule für Musik Detmold auch unter Corona-Bedingungen kontinuierlich weiter studieren und auf ihre Möglichkeit warten, das Ergebnis in Konzerten zu präsentieren.

Für das Februarkonzert hat Peter Kreutz zwei Sänger ins Forum Lied eingeladen, die an der Hochschule vor ihrem Abschluss Master Gesang stehen. Die deutsche Mezzosopranistin Svenja Rissiek singt Lieder von Johannes Brahms und Gustav Mahler auf Gedichte aus der volkstümlichen Gedichtsammlung Des Knaben Wunderhorn. Der koreanische Tenor Hyonwo Jo stellt Lieder von Ludwig van Beethoven neben eine persönliche Auswahl von Schubert-Liedern. Beide Sänger werden von Peter Kreutz am Flügel begleitet, er wird das Programm auch moderieren.

Eines der bekanntesten Lieder von Beethoven ist Adelaide auf einen Text von Friedrich von Matthisson. Es wurde in der langen Geschichte von Forum Lied tatsächlich noch nicht aufgeführt, nun passt es um so besser, werden sich doch die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag des Komponisten weit in das neue Jahr hinziehen. Der Ruhm, den Ludwig van Beethoven als Instrumentalkomponist genießt, hat der Würdigung seines Liedschaffens lange im Wege gestanden. Im Lied konnte Beethoven persönliche Erlebnisse und Stimmungen ausdrücken, für die in der Objektivität der großen Formen Sinfonie oder Sonate weniger Raum war. Viele Gesänge der Liebe, der Resignation, auch des Glaubens dürfen so auch biographisch verstanden werden. Beethoven war zeitlebens in der Welt der Dichtung zu Hause, Wort und Ton waren ihm verwandte Ausdrucksmittel. Singstimme und Klavierbegleitung sind in seinen Liedern ein unteilbares Ganzes, die Gesangsstimme ist fest in den Klaviersatz eingebettet, Motive erklingen im Wechselspiel. Die Melodien sind kantabel, sie sind weniger von sinnlicher Schönheit als von geistig- seelischem Gehalt geprägt.

In aller Regel lässt man die Geschichte des Klavierliedes mit Franz Schubert beginnen und tut so, als handle es sich hier um eine ganz andere Epoche. In Wirklichkeit haben sich die Lebensdaten von Beethoven (1770 – 1827) und Schubert (1797 – 1828) überschnitten. Schubert gehörte ein Jahr vor seinem Tod zu den Ausgewählten, die den Sarg Beethovens trugen. In seinem letzten Lebensjahr hat er dann noch mit aller Kraft versucht, die Position des rechtmäßigen Nachfolgers zuerkannt zu bekommen. Entstehungsdaten der von Beethoven und Schubert zu hörenden Lieder liegen dicht zusammen, scheinen aber aus einer völlig unterschiedlichen Welt zu kommen. Schuberts Liedern hört man den Rückzug ins Private an, eine Reaktion auf die aufkommenden Repressionen im Zuge des Metternich Staates.

Dieser Rückzug ins Private ist im Falle von Gustav Mahler nur in der Bedeutung, die das Lied für ihn persönlich hatte, zu sehen. Seine Komponiertätigkeit musste sich ohnehin auf die Ferienzeit beschränken, zu erfolgreich und eingespannt war Mahler als Dirigent und Theaterleiter. In seinen Kompositionen flieht der Komponist aus der Realität in eine Traumwelt, die Welt der Romantik. Gedichte aus „Des Knaben Wunderhorn“, einer weit verbreiteten Sammlung von Clemens von Brentano und Achim von Arnim finden sich auch in Mahlers Sinfonien. Des Antonius von Padua Fischpredigt ist in unserem Programm als Klavierlied zu hören, in der 2. Sinfonie als Instrumentalstück. Die Kenntnis der ironisch erzählten Geschichte um die legendäre Predigt des Antonius vor Fischen, nachdem niemand in die Kirche gekommen ist, wird also vorausgesetzt. Das Urlicht, ebenfalls aus der 2. Sinfonie, wird nun von der Altstimme gesungen, das erste Mal, das Mahler die menschliche Stimme in den sinfonischen Apparat integriert. Ein Lied, das in der Klavierfassung für die Ausführenden eine besondere Herausforderung stellt.

Die beiden Vertonungen Überläufer und Liebesklage des Mädchens aus „Des Knaben Wunderhorn“ von Johannes Brahms gehören sicherlich nicht zu den bekanntesten Liedern des Komponisten, auch sie sind im Forum zum ersten Mal zu hören. Bekannt ist aber die große Vorliebe des Komponisten für volkstümliche Texte, sie begegnet uns sowohl in der großen Sammlung deutscher Volkslieder als auch in seinen Liedbänden. Dort heißt es dann anstelle eines Dichternamens: aus dem Böhmischen, Serbisch oder nach dem Italienischen.